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Über Wikis und andere Erscheinungen auf dem langen Weg zur Weltherrschaft

Sicher keine Absicht von Spiegel Online…

… und diesmal auch nicht wirklich ein Skandal, sondern eher was zum Schmunzeln: SpOn will jetzt schon Geld für Entschuldigungen:

Spiegel Online: Bedauerlicher Fehler bei SPIEGEL ONLINE [...] Der Artikel ist einzeln für 0,50 € abrufbar.

Ihr erinnert Euch noch? Sie hatten vor drei Monaten unter Missachtung der Lizenzbedingungen und ohne Nennung der Quelle aus der Wikipedia abgekupfert (übrigens nicht zum ersten Mal) und den Text anschließend durch eine wirklich nette Entschuldigung ersetzt (auch wenn ein kurzer Hinweis auf die GFDL und die Autoren völlig ausgereicht hätte). Vergeben und vergessen. Aber bitte, lieber Herr Patalong (oder wer auch immer dafür zuständig sein mag), befreien Sie die Entschuldigung wieder aus diesem 50 Cent-Gefängnis!

10.000 Gemälde für Wikimedia Commons

Directmedia Publishing, bestens bekannt als Herausgeber der CD- bzw. DVD-Version der deutschsprachigen Wikipedia, hat soeben angekündigt, “die Bilder und die dazugehörende Datenbank der DVD-ROM 10.000 Meisterwerke der Malerei zum Upload zur Verfügung stellen.”

Hochgeladen werden sollen die Bilddaten auf Wikimedia Commons, der zentralen Mediendatenbank für alle Wikimedia-Projekte und das auch noch mit allen verfügbaren Metadaten, die damit ebenfalls unter eine freie Lizenz (vermutlich GFDL) gestellt werden. Im letzten Absatz schreibt Geschäftsführer Erwin Jurschitza: “Sollte jemand das Angebot interessant finden, [...]“. Nein, das ist nicht interessant, das ist grandios!

ARTE bereichert Wikipedia

Am Samstag sah alles noch so aus, als ob da nur mal wieder jemand im Eifer des Gefechts den Unterschied zwischen GFDL und Public Domain vergessen hatte: Der Fernsehsender ARTE hatte die aus der deutschsprachigen Wikipedia stammenden Artikel Strange Fruit und Billie Holiday auf die eigene Website übernommen und als Quelle jeweils Mirrors der Wikipedia angegeben, ohne auch nur ein Wort über die Autoren oder die Lizenz zu verlieren.

Das wollte Dirk Franke (aka Southpark) so nicht stehen lassen und schrieb eine äußerst freundliche Mail:

“[...] Als einer der Autoren des “Strange Fruit”-Artikels freue ich mich sehr, dass dieser Text es bis auf die Seite von arte-tv geschafft hat. Leider gab es bei den Quellenangaben anscheinend eine kleine Unaufmerksamkeit. [...]“

Wie man in den Wald hineinruft … schleunigst wurde das Problem behoben. Der Hinweis entspricht zwar nicht voll und ganz der Lizenz bzw. den Empfehlungen der Wikipedia, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein.

Das Beste kommt aber noch: ARTE hat den Artikel “Strange Fruit” ins Französische übersetzt, so dass der Text über diesen Umweg wohl in Kürze auch die französische Wikipedia bereichern wird. Mehr davon! Und bevor ich es vergesse: Danke, Southpark!

Grüne finden die Wikipedia jetzt auch ganz offiziell toll

Unter dem Titel Unser Land gerecht erneuern haben Bündnis90/Die Grünen heute auf ihrem Länderrat (aka kleiner Parteitag) in Gelsenkirchen unter anderem beschlossen:

Staatlich finanzierte Forschungsergebnisse, öffentliche Dokumente und Daten von Bund, Ländern und Kommunen sowie öffentlich-rechtlich finanzierte Informationsinhalte müssen so frei wie möglich lizenziert werden.

Das Thema wurde übrigens auch kürzlich von einigen Wikimedianern in Berlin mit Abgeordneten der SPD und Mitarbeitern der Bundestagsverwaltung erörtert.

Es ist zwar nicht wirklich neu, dass sich die Grünen für eine freie Digitalkultur engagieren, aber schön ist es trotzdem, sowas in einem Leitantrag lesen zu dürfen. Zumal auch diesmal wieder explizit die Wikipedia genannt wird:

Wir unterstützen neue Modelle und Initiativen zu einer möglichst weiten Verbreitung von Wissen und Schaffung kreativer Leistungen wie Open Access, Freie Software, die Online-Enzyklopädie Wikipedia, Creative Commons oder Open Standards.

Sehr nett :-) Mal schauen, wieviel von diesem hehren Ziel im harten politischen Alltag übrig bleibt bzw. durchsetzbar ist. Beim Marsch durch die Institutionen hat ja schon so manche Vision etwas an Kontur verloren… Aber ein ordentlicher Anfang ist das allemal.

via netzpolitik.org

Offener Brief einiger Wikipedianer an SpOn

Spiegel Online lernt dazu. Beim letzten Fall hatte man die Übernahme von Wikipedia-Inhalten ohne Nennung und Beachtung der GFDL noch versucht, durch den Satz Weitere Erklärungen von Firmennamen finden Sie in der englischen Ausgabe der Web-Enzyklopädie Wikipedia zu heilen. Diesmal entfernte die Redaktion den ganzen Artikel und ersetzte ihn durch eine lesenswerte Entschuldigung. Hält sich Spiegel Online vielleicht schon beim nächsten Mal gleich an die Lizenz? Diese Hoffnung haben zumindest einige aktive Wikipedianer, die mit einem Offenen Brief auf die Entschuldigung reagieren.

Sehr geehrter Herr Müller von Blumencron,
liebe Chefredaktion von Spiegel Online,

wir, Nutzerinnen und Nutzer aus der deutschsprachigen Wikipedia, sind positiv überrascht und erfreut über den Text “Bedauerlicher Fehler bei SPIEGEL ONLINE“. Wir begrüßen den offenen Umgang von Spiegel Online mit der Problematik um den Hintergrund-Artikel, der dort bis vorgestern gestanden hat. Dieser offene Brief soll frei sein von Häme und Spott, sondern unsere Zufriedenheit vermitteln, dass Spiegel Online hier klare Worte gefunden hat.

Wie Sie wissen, hätte mit der kurzen Quellenangabe der Text problemlos auf spiegel.de stehen können, auch mit den Modifikationen aus Ihrem Hause. Diesen Weg wählte bereits mehrfach die Nachrichtenagentur ddp, die bei aktuellen Debatten Inhalte aus der Wikipedia als Hintergrund-Text über die Leitungen schickt. Der Herkunftsnachweis ist nicht
dramatisch länger als “Peter Zschunke, AP”, wie er unter einigen Texten auf spiegel.de zu finden ist. Es ist uns allerdings durchaus bewusst, dass ein solches Procedere aus Sicht von klassischen Medien nicht wirklich naheliegend erscheint. Insofern möchten wir Sie zwar dazu einladen, Sie aber nicht bedrängen.

Dass Spiegel Online Wikipedia-Inhalte nutzt, ist an sich eine großartige Nachricht, denn genau für diesen Zweck wurden sie geschrieben. Dieser Brief ist auch die ehrliche Einladung, auch künftig auf den Leistungen der Wikipedianer aufzubauen. Ein derartiges Beispiel ist die intensive Nutzung der Wikipedia für Hintergrundinformationen zu den Artikeln des Onlineangebotes der Rhein-Zeitung.

Spiegel Online und das Spiegel Magazin haben die Entwicklung der Wikipedia seit einiger Zeit wohlwollend und recht detailliert begleitet. Neue Autorinnen und Autoren fanden so den Weg zu uns. Engagierte Medien haben dazu beigetragen, daß wir heute dort stehen, wo wir sind.

Der deutsche Wikimedia-Verein als Förderverein der Wikimedia-Projekte steht Ihnen jederzeit zur Verfügung und wir würden uns über ein Gespräch freuen, da wir glauben, dass dies die Abläufe verbessern könnte, sollte wieder einmal Unklarheit über einen Text herrschen, der auf einer unserer beiden Seiten auftaucht.

Mit freundlichen Grüßen,

Mathias Schindler, Bdk, JensMueller, Unscheinbar, Avatar, akl, southpark, Leon, Arnomane, Kurt Jansson, APPER, Fantasy, tsor, darina, finanzer, da didi, Perrak, vurt, Filzstift, Magnus Manske

Keine Lizenz zum WAPpen [UPDATE]

Wie Der Standard berichtet bietet ein neuer Dienst namens Maxpedia.org ab sofort Wikipedia-Inhalte per WAP an. Mal ganz abgesehen davon, dass das nicht neu ist (unter dem Namen Wapedia gibt es das schon länger), scheint der Anbieter wenig Sinn für juristische Details zu haben. Es steht zwar folgender Text unter jedem Artikel (bzw. unter der unter jedem Artikel zu findenden Werbung):

Dieser Artikel basiert aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. Unter Wikipedia.de ist eine Liste der Autoren verfügbar und können Artikel bearbeitet werden.

aber von entsprechenden Links auf die Lizenz und die Autoren keine Spur. Insofern darf wohl bezweifelt werden, dass diese Nutzung lizenzkonform ist. Vielleicht dachte sich der Betreiber ja auch, was Sony BMG bzw. T-Online und die Cerulean Studios (Trillian) können, können wir schon lange.

Muss sich erst jemand finden, der die Einhaltung der GFDL auf juristischen Wege durchsetzt, wie es in jüngster Zeit bei der GPL zu beobachten ist? Wäre schade…

UPDATE:
Nach einem von mir begonnenen freundlichen Mailwechsel wurden die genannten Probleme mittlerweile behoben, so dass zumindest aus meiner Sicht jetzt eine lizenzkonforme Nutzung vorliegt.

Wenn sich der ICQ-Gesprächspartner demnächst als Schlaumeier erweist…

Trillian 3.0 ist freigegeben. Die Cerulean Studios haben in diesen Windows-Closed-Source-Payware-Instant-Messaging-Client (uargh) auch ein kleines Tool eingebaut, das einzelne Begriffe durch die (derzeit nur englischsprachige) Wikipedia erklärt.

Man wird sich das bei Gelegenheit mal ansehen müssen. Ich kann nirgends Hinweise auf die Lizenz der Texte erkennen und da offenbar keine Daten an die Server geschickt werden (sagt Cerulean), bleiben nur noch wenige Orte, wo die Daten herkommen… Ich will jetzt nicht schon wieder schwarz malen, aber irgendwo wäre doch noch Platz gewesen für “Dieser Text steht unter der GNU FDL“…

Frankfurter Rundschau: Raubkopiert

Sebastian Heiser schreibt in der heutigen Frankfurter Rundschau über die Sache mit T-Online und Sony BMG.

Raubkopiert
Das Lexikonprojekt Wikipedia hat den Musikkonzern Sony BMG bei einem Verstoß gegen das Urheberrecht erwischt

Ich werde dort auch kurz erwähnt:

Im Fall Wikipedia gibt es keine Strafe. Vielmehr begnügte sich Projekt-Mitarbeiter Mathias Schindler damit, die Firmen auf den Verstoß hinzuweisen und sie zur Beachtung der Lizenzbedingungen aufzufordern.

Dauerte damals nur ein paar Minuten und ein paar emails und dann war meinem privaten Interesse auf Schutz meiner Leistungen (jedenfalls tauche ich in den Versionshistorien auf) zur Befriedigung verholfen.

Dass nun ein T-Online-Sprecher erklärt, es habe nie eine Urheberrechtsverletzung gegeben, befremdet mich ein wenig. Ein wenig sehr.

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