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Das Leben ist ein Wiki

Die Google-Story: Wikimedia und das Kommunikations-Dilemma

| 6 Kommentare

Heute war mal wieder Wikipedia-Tag in der internationalen Online-Fachpresse. Als einer der Pressesprecher des Projektes sollte man sich eigentlich darüber freuen, aber richtige Freude mag bei mir nicht aufkommen. Denn die Geschichte hat einen üblen Beigeschmack – nicht die Nachricht (in der die medial offenbar höchst interessanten Namen Wikipedia und Google auftauchen) an sich, sondern wie sie Verbreitung gefunden hat.

Es begann alles mit einer kurzen Notiz von Angela in einem Wiki. Bei diesem Wiki handelt es sich zwar um ein Angebot der Wikimedia Foundation, aber es ist im Gegensatz zur Offiziellen Website ein echtes Wiki, also ein offenes System, in dem Jedermann schreiben kann.

Mathias Schindler hat den Verlauf der Nachricht dokumentiert: vom Blog über Slashdot bis hin zu deutschsprachigen Medien wie heise online.

Beunruhigend daran sind vor allem zwei Dinge:

  1. Offenbar hat kein einziger Journalist den Inhalt der Meta-Wiki-Seite überprüft, zumindest sind mir keinerlei Rückfragen bei der Wikimedia Foundation oder bei Wikimedia Deutschland bekannt.
  2. Die Wikimedia Foundation hat offenbar keinen Weg, um die Community in Entscheidungen einzubinden, ohne dass das ganze gleich in der Presse breitgetreten wird – Verfälschungen der eigentlichen Information inbegriffen.

Der erste Punkt ist ein Problem, das wohl die Journalisten lösen müssen. Man könnte den Lernprozess eventuell beschleunigen, indem man mal bewusst Falschinformationen im Meta-Wiki einstellt, das ganze in einem Blog zitiert und dann darauf wartet, dass Slashdot das aufgreift (wer auf schnöden Mammon steht, könnte vorher auch noch mit einem Börsenmakler telefonieren). Wer jetzt denkt, sowas sei nicht in Ordnung, möge sich an die Versuche erinnern, Falschinformationen in die Wikipedia einzuschleusen.

Das größere Problem ist allerdings der fehlende vertrauliche Kommunikationskanal zwischen offiziellen Wikimedia-Vertretern und der Community. Wikimedia steckt in einem Dilemma: Einerseits möchte man die Community auch über ungelegte Eier informieren, um sie nach ihrer Meinung zu fragen, andererseits eignen sich einige Themen nicht für die Öffentlichkeit. Ob das für den oben genannten Fall gilt, sei mal dahingestellt. Ich hoffe nur, dass eine eventuelle Zusammenarbeit von diesem – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ungewollten – Pressewirbel nicht behindert wird.

Die Zeiten, in denen man im Meta-Wiki, auf den Mailinglisten oder im IRC offen und spontan über die Zukunft des Projektes philosophieren konnte, scheinen jedenfalls vorbei. Schade.

Autor: Arne Klempert

Domestizierter Nerd. Wikimedia Veteran. Digital Strategist.

6 Kommentare

  1. Pingback: 200 Jahre Brockhaus-Verlag o.s.ä.

  2. Hab ich was verpasst? Die Wikipedia-Community ist doch die Öffentlichkeit und kein Stück weniger.

  3. Das sehe ich anders. Es steht zwar jedem Menschen frei, Teil der Community zu werden, aber nicht jeder Mensch gehört automatisch dazu.

  4. Pingback: Anonymous

  5. Wenn Du die Community nicht vom Rest trennen kannst, kannst du auch nicht gezielt mit ihr kommunizieren.

  6. Hi Torsten,

    Wenn Du die Community nicht vom Rest trennen kannst, kannst du auch nicht gezielt mit ihr kommunizieren.

    Sag ich doch: „Die Wikimedia Foundation hat offenbar keinen Weg, um die Community in Entscheidungen einzubinden, ohne dass das ganze gleich in der Presse breitgetreten wird“

    Eine wirkliche Lösung für dieses Problem habe ich derzeit noch nicht. Ein Weg wäre, (noch) nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmte Themen mit dem organisierten Teil der Community zu diskutieren (Mitglieder der Foundation bzw. der nationalen Sektionen). Dabei würde allerdings ein großes Stück der Offenheit verlorengehen. Wenn Du einen anderen Vorschlag hast, immer her damit! Oder denkst Du, dass es praktikabel ist, Sponsoren/Kooperationspartner bereits im Vorfeld dazu zu nötigen, alle Details eines Angebots (oder einer vagen Idee) vollständig offenzulegen?

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