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Über Wikis und andere Erscheinungen auf dem langen Weg zur Weltherrschaft

Sicher keine Absicht von Spiegel Online…

… und diesmal auch nicht wirklich ein Skandal, sondern eher was zum Schmunzeln: SpOn will jetzt schon Geld für Entschuldigungen:

Spiegel Online: Bedauerlicher Fehler bei SPIEGEL ONLINE [...] Der Artikel ist einzeln für 0,50 € abrufbar.

Ihr erinnert Euch noch? Sie hatten vor drei Monaten unter Missachtung der Lizenzbedingungen und ohne Nennung der Quelle aus der Wikipedia abgekupfert (übrigens nicht zum ersten Mal) und den Text anschließend durch eine wirklich nette Entschuldigung ersetzt (auch wenn ein kurzer Hinweis auf die GFDL und die Autoren völlig ausgereicht hätte). Vergeben und vergessen. Aber bitte, lieber Herr Patalong (oder wer auch immer dafür zuständig sein mag), befreien Sie die Entschuldigung wieder aus diesem 50 Cent-Gefängnis!

Aus der Presse

Gleich drei interessante Beiträge über die Wikipedia liefert Ben vom IB Weblog : Eine Kritik von Bildungsklick.de, in der die Wikipedia mit einem Publikumsjoker verglichen wird, einen Artikel in der LA Times und einen Cartoon (via Conservator Blog).

fiktive Dankesrede

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich, die Wikipedia, fühle mich geehrt, offenbar als so herausragende Quelle genutzt zu werden. Ich bedanke mich für das Vertrauen, das man in mich setzt. Es tut gut, daß sich Experten auf mich verlassen können. Ich werde dieses Vertrauen nicht enttäuschen.
Seid lieb,
Eure Wikipedia

Mal sehen, ob die kommenden Tage eine weitere Klärung bringen, was gewisse Textquellen angeht.

Die Hommingberger Gepardenforelle in der Wikipedia

Das Allgemeine Intelligenzblatt schreibt:

Hommingberger Gepardenforelle ist ein Suchbegriff, mit dem die Zeitschrift c’t im April 2005 einen Suchmaschinenoptimierungs-Wettstreit ausgerufen hat.

Der Begriff “Hommingberger Gepardenforelle” wurde gewählt, weil es weder einen Ort Hommingberg noch eine Gepardenforelle gibt und somit die Suchmaschinen dazu vor dem Beginn des Wettbewerbes keine Treffer lieferten. Vorbilder waren der englische Begriff Nigritude Ultramarine und der Versuchsaufbau von Schnitzelmitkartoffelsalat.

Ein erster Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia wurde am 16. April 2005 um 13:33 Uhr von Benutzer:Knweiss angelegt. Zwei Stunden später der Artikel als Löschkandidat vorgeschlagen. Eine Mehrheit sprach sich gegen die Löschung aus.

Bis zum 26. April 17:00 Uhr wurde der Artikel etwas über 100 Mal geändert. In einem Heise-Artikel zwei Tage nach der Bekanntgabe des Wettbewerbs wurde auch auf die Existenz des Wikipedia-Artikels hingewiesen. Ein Hyperlink wurde nicht gesetzt, doch wurde die Diskussion zu dem Artikel als URL im Text genannt. Zu diesem Zeitpunkt fand sich in den Suchtreffern von google die Diskussionsseite, aber noch nicht der Artikel selbst.

Papstwahl: Schnelle Reaktionszeit bemerkt

Das Allgemeine Intelligenzblatt schreibt:

In der klassichen Presse konnte man in der letzten Woche Bemerkungen über die Fähigkeit der Wikipedia, sehr schnell auf Ereignisse zu reagieren, nachlesen. In einem Beitrag über die neue Funktionalität der Encarta schreib webpronews.com, daß die Möglichkeit, neue Artikel auf Wikipedia zu erstellen, sie vermutlich weiterhin an der Spitzenposition halten werde. Verwiesen wurde auch auf den ausführlichen Artikel über Podcasting, zu dem es beispielsweise in der Encarta keine Entsprechung gäbe. [1]

Zum Beweis ihrer Schnelligkeit reagierten die Wikipedia bei der Wahl eines neuen Papstes in Minuten, um den Eintrag über Benedikt XVI. aktuell zu halten. Der Artikel des neuen Papstes wurde nur 45 Minuten nach der Sichtung des Weißen Rauches von Joseph Kardinal Ratzinger zu seinem neuen Platz verschoben. Bis zum 24. April wurde der englische Artikel über 3000 mal geändert.

[Read more]

Masse und Klasse

Heute ging auf den Seiten des heise-Magazins “Technology Review” der Artikel über Wikipedia online, der im gedruckten Heft bald nachlesbar sein wird. Mit spannenden Photos von Wikipedianern.

Der Artikel selbst ist nett und flüssig geschrieben, enthält ein paar Zitate von den üblichen Verdächtigen und verweist auf sonstige Einsatzmöglichkeiten von Wikis. Dazu passt auch der Artikel von Mario Sixtus, der gerade in der Stadt der Liebe weilt.

Auf Unternehmensebene könne dies zu neuen Wegen der Produktivität führen. Der Einsatz von Wikis sei dabei nahezu überall möglich: “Ob zur Dokumentation, als Projektplaner oder als Wissensspeicher.”

Als weiteres Beispiel zum Einsatz von Wikis wird die Tante BBC erwähnt. Ob das etwas damit zusammenhängt, daß Jimmy Wales mal dort ein wenig Assimilieru^wConsulting betreiben hat?

Wikipedia ist MySQL-Applikation des Jahres

Wie Angela berichtet, hat MySQL AB die Wikipedia zur MySQL Application of the Year gekürt:

“Wikipedia is the most popular wiki in the world, operating in more than 50 languages. Wikipedia uses MySQL to process more than 200 million queries and 1.2 million updates per day.”

Eigentlich müsste der Preis ja eher an MediaWiki gehen, aber naja. Auch von dieser Stelle mal ein großes Lob an die zahlreichen MediaWiki-Entwickler bzw. Systemadministratoren der Wikipedia (die Übergänge sind fließend), die sich übrigens genau wie die Autoren und alle anderen in der großen Wikimedia-Gemeinschaft gänzlich freiwillig den Buckel krumm machen.

10.000 Gemälde für Wikimedia Commons

Directmedia Publishing, bestens bekannt als Herausgeber der CD- bzw. DVD-Version der deutschsprachigen Wikipedia, hat soeben angekündigt, “die Bilder und die dazugehörende Datenbank der DVD-ROM 10.000 Meisterwerke der Malerei zum Upload zur Verfügung stellen.”

Hochgeladen werden sollen die Bilddaten auf Wikimedia Commons, der zentralen Mediendatenbank für alle Wikimedia-Projekte und das auch noch mit allen verfügbaren Metadaten, die damit ebenfalls unter eine freie Lizenz (vermutlich GFDL) gestellt werden. Im letzten Absatz schreibt Geschäftsführer Erwin Jurschitza: “Sollte jemand das Angebot interessant finden, [...]“. Nein, das ist nicht interessant, das ist grandios!

Für alle, die von Jimmy nicht genug bekommen können

Dank der lieben Kollegen vom Medienrauschen (via Markus “Netzpolitik” Beckedahl) habe ich endlich nun die Chance, noch einmal den Vortrag von Jimmy auf dem 21C3 (ja, das war vor einiger Zeit) anzuhören. Der Vortrag liegt als 30MB-ogg-Datei auf den Servern des CCC (direktlink).

(und Brion/Tim gibt es noch gratis dazu)

“Für alle, denen DVD nicht offline genug ist”

… hat Directmedia über sein Exposé geschrieben. Wenn ich mir den Erfolg der aktuellen Wikipedia-DVD ansehe, zweifle ich nicht wirklich an den Marktchancen für »Wiki Press«. Hört sich nach bedruckten toten Bäumen an…

Es ist aber weder der von Jimbo Wales erhoffte Ledereinband, noch der von Mathias skizzierte Einbänder – aber das eine schließt das andere ja nicht aus, wir werden sehen. Der Vorschlag orientiert sich eher an dem aus der Community heraus entstandenen Konzept der WikiReader, dürfte aber aufgrund des bestehenden Zugangs zum Buchmarkt deutlich erfolgversprechender sein als die derzeitige Online-Vermarktung.

Auch wenn man von Directmedia offene Kommunikation schon gewohnt ist, finde ich es keineswegs selbstverständlich, solche Planungen ins Netz und zur Diskussion zu stellen – einfach wunderbar!