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Über Wikis und andere Erscheinungen auf dem langen Weg zur Weltherrschaft

Wilhelm von und zu Guttenberg: Realität überholt Titanic-Satire

Neulich bin ich bei Markus über einen Startseiten-Cartoon des Titanic-Magazins gestolpert:

Schon damals fragte ich mich, was dieses Schaubild wohl mit Satire zu tun haben soll. Denn gefühlt war es schon häufiger der Fall, dass Journalisten Fehler aus der Wikipedia übernommen haben und sich in der Folge dann wiederum Wikipedianer auf diesen Qualitätsjournalismus als Quelle beriefen.

Das Bildblog hat einen aktuellen Fall dokumentiert. Nicht witzig.

Lutz Heilmann macht die Streisand

Der Artikel Streisand-Effekt sollte zur Pflichtlektüre eines jeden D-Prominenten gehören. Für künftige Generationen wird sowas hoffentlich Bestandteil eines Schulfaches Medienkompetenz werden.

Hier kann man den jüngsten, eindrucksvollen Beleg für diesen Effekt sehen, mit freundlicher Unterstützung von Lutz Heilmann (MdB, Die Linke):

Zugriffe auf den Artikel Lutz Heilmann im November 2008 nach Tagen
Vor der einstweiligen Verfügung interessierten sich täglich weniger als 50 Menschen für den Artikel über Lutz Heilmann in der deutschsprachigen Wikipedia. Gestern wurden gut 240.000 Aufrufe gezählt. Quelle: http://stats.grok.se/de/200811/Lutz_Heilmann.

Für die früheren Fälle Tron und Atze Schröder gibt es leider keine Vergleichszahlen. Die Wikipedia hatte keine Statistiken, damals(tm).

Die Möglichkeit für Online-Spenden gab es bei der letzten Stilllegung der Domain wikipedia.de auch noch nicht. Ebenfalls sehr beeindruckend.

Neues Urteil aus Hamburg - Prädikat lesenswert

Erneut möchte ich eindringlich davor warnen, das Landgericht Hamburg pauschal als merkbefreit abzustempeln. Vor einem knappen Jahr erst durfte ich am eigenen Leib erfahren, dass die dortige Pressekammer durchaus vernünftige Entscheidungen trifft - in der Sache Atze Schröder gegen meine Wenigkeit.

Heute wurde nun eine weitere sehr lesenswerte Entscheidung (PDF-Dokument) publiziert, die begründeten Anlass zur Hoffnung gibt. Richter Buske und seine Kollegen sprechen darin die Betreiberin eines Wikipedia-Mirrors von Unterlassungsansprüchen frei, weil diese “keine ihr obliegenden Prüfpflichten verletzt” habe.

Als wenn das allein noch nicht bemerkenswert genug gewesen wäre, lässt sich das Gericht in der Urteilsbegründung auch zur Bedeutung der Wikipedia aus. Unter anderem heißt es:

An einer Online-Enzyklopädie wie der Wikipedia besteht auch als solcher ein öffentliches Interesse. Sie ermöglicht einer Vielzahl von Menschen schnellen und aktuellen Zugriff auf Informationen und zwar auch Personen, die nicht über eine umfangreiche gedruckte Enzyklopädie verfügen.

Ich weiß noch nicht, ob die Formulierung tatsächlich vom Gericht stammt oder ob sie ihren Ursprung nicht vielleicht doch in einem Schriftsatz meiner Lieblingsanwälte (die zufälligerweise auch in diesem Verfahren den Beklagten vertreten haben) hat. Aber immerhin hat sich das Gericht diese schöne Erklärung damit definitiv zu Eigen gemacht.

Weitere Infos zum Rechtsstreit gibt es bei golem.de und auf heise.de.

Interviews vom BarCamp

Auf TechCrowd gibt es eine Reihe von Interviews, die auf dem Kölner Barcamp entstanden sind. In einem dieser “Flurgespräche” werde ich zum Thema Wikipedia ausgefragt.

Keine Werbung

Heute erhielt ich seit längerer Zeit mal wieder einen Anruf von einer Werbeagentur:

Einige unserer Kunden fragen uns immer wieder, ob man nicht irgendwo auf Wikipedia Werbung schalten könnte. Um wirklich sicher zu sein, wollte ich mal kurz bei Ihnen nachfragen.

Auf mein “Nein. Es gab auf der Wikipedia keine Werbung und es wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft nicht geben” (natürlich noch mit ein paar freundlichen Worten verpackt), folgte eine mir aus der Werber-Ecke bislang gänzlich unbekannte Reaktion: “Finde ich Klasse!” – Ich auch.

Bundesministerium fördert Ausbau der Wikipedia

So, jetzt ist es raus. Nach einem halben Jahr Vorbereitung konnte Wikimedia Deutschland heute endlich vermelden, dass das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den Ausbau der deutschsprachigen Wikipedia fördert. In einem auf drei Jahre angelegten Projekt soll der Themenbereich “Nachwachsende Rohstoffe” in Zusammenarbeit zwischen (noch) externen Experten und der Community erheblich erweitert und verbessert werden. Wird spannend, zumal es das erste Projekt dieser Art ist.

Reaktionen:

Die Web-2.0-Blase und was Investoren von der Wikipedia lernen können

Nach Ansicht der Business Angels FrankfurtRheinMain (BA-FRM) läuft die “Very New Economy” Gefahr, zu überhitzen und letztlich zu verglühen. Mit ein paar Empfehlungen an Investoren wollen sie die schlimmsten Fehler vermeiden helfen. Sicher kein Fehler.

Dass aber ausgerechnet die Wikipedia als Referenz für die Langlebigkeit der “Web-2.0-Branche” herhalten muss, verwundert dann doch etwas. Pressetext zitiert Frank Müller, geschäftsführendes Mitglied des Vorstands der BA-FRM:

“Die Gefahr einer Überhitzung der Web-2.0-Branche besteht durchaus, wenngleich dieser ,Markt’ viele Facetten hat und sich contentgebundene Community-Projekte wie Wikipedia langfristig gut entwickeln werden”

Die Wikipedia hat sich und wird sich vor allem deshalb langfristig gut entwickeln, weil sie sich bewusst den üblichen Mechanismen dieses “Marktes” entzieht und von einer gemeinnützigen Organisation betrieben wird. Auch wenn “der Investor stets den Grundcharakter der Seiten- oder Portalsphilosophie in behutsamer Abstimmung auf die Nutzerinteressen” beibehält, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass damit ein Community-Projekt entstehen kann, das auch nur ansatzweise mit der Wikipedia vergleichbar wäre. Wikipedia ist eben weit mehr als eine hippe Plattform mit user generated content. Es ist eine user driven website, die von einer user driven organization betrieben wird. Investoren können von der Wikipedia wohl vor allem eines lernen: Es gibt Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann…

P.S.: Geld nehmen wir natürlich trotzdem gerne (wenn damit unsere Unabhängigkeit nicht gefährdet wird): http://wikimedia.de/spenden/

Mal wieder was juristisches…

Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Das hier ist eigentlich kein juristisches Blog, sondern eines, das sich mit freiem Wissen und Wikis auseinandersetzen will. Ich hoffe, dass ich dazu in Kürze mal wieder Gelegenheit erhalte. Bis dahin dürft Ihr Euch an einer weiteren juristischen Auseinandersetzung erfreuen.

Denn der Verein Wikimedia Deutschland hat mal wieder einen Prozess gewonnen. Diesmal störte sich die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) – bzw. die irgendwie hinter ihr stehende berolino.pr, mittlerweile zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH umfirmiert – an einem Beitrag auf der Diskussionsseite (oder vielmehr im Archiv derselben bzw. in einer alten Version dieses Archivs).

Weitere Infos gibt es bei:

Der Streitwert lag diesmal übrigens etwas höher als bei Atze: Stolze 100.000 Euro erschien der INSM der Diskussionsbeitrag wert zu sein (ursprünglich sogar 200.000, denn hatten sie auch noch mit anderen Aussagen ein Problem). Naja, so bekommen meine Lieblingsanwälte wenigstens mal ordentlich Geld für ihre hervorragende Arbeit :)

Ach, wie gut, dass niemand weiß…

Üblicherweise bin ich bei Fragen nach juristischen Auseinandersetzungen, in die ich direkt oder indirekt verwickelt sein könnte, ja eher zugeknöpft. Erst kürzlich habe ich mich auf eine öffentlich gestellte Frage zur Causa “Atze Schröder” sehr gewunden, um nicht zu viel oder zu wenig zu sagen. Aber irgendwann ist dann auch bei mir mal gut mit der höflichen Zurückhaltung. Und jetzt gerade reicht es mir. Aber von vorne… [Read more]

Wikipedia ist nicht David Hasselhoff

Ich bin wirklich erleichtert, dass das mal jemand klar gestellt hat:

It is true that Wikipedia is far more popular in Germany than in its native United States. It is true that Wikipedia is often surrounded by attractive women in bikinis. And it is true that Wikipedia has more “cool” and “sex appeal” than any other 1980’s TV star. Despite these similarities, however, Wikipedia is not David Hasselhoff.

P.S.: Gibt es eigentlich noch jemanden, der hier mitliest?

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