Nov 16, 2008
Der Artikel Streisand-Effekt sollte zur Pflichtlektüre eines jeden D-Prominenten gehören. Für künftige Generationen wird sowas hoffentlich Bestandteil eines Schulfaches Medienkompetenz werden.
Hier kann man den jüngsten, eindrucksvollen Beleg für diesen Effekt sehen, mit freundlicher Unterstützung von Lutz Heilmann (MdB, Die Linke):

Vor der einstweiligen Verfügung interessierten sich täglich weniger als 50 Menschen für den Artikel über Lutz Heilmann in der deutschsprachigen Wikipedia. Gestern wurden gut 240.000 Aufrufe gezählt. Quelle: http://stats.grok.se/de/200811/Lutz_Heilmann.
Für die früheren Fälle Tron und Atze Schröder gibt es leider keine Vergleichszahlen. Die Wikipedia hatte keine Statistiken, damals(tm).
Die Möglichkeit für Online-Spenden gab es bei der letzten Stilllegung der Domain wikipedia.de auch noch nicht. Ebenfalls sehr beeindruckend.
May 30, 2008
Erneut möchte ich eindringlich davor warnen, das Landgericht Hamburg pauschal als merkbefreit abzustempeln. Vor einem knappen Jahr erst durfte ich am eigenen Leib erfahren, dass die dortige Pressekammer durchaus vernünftige Entscheidungen trifft - in der Sache Atze Schröder gegen meine Wenigkeit.
Heute wurde nun eine weitere sehr lesenswerte Entscheidung (PDF-Dokument) publiziert, die begründeten Anlass zur Hoffnung gibt. Richter Buske und seine Kollegen sprechen darin die Betreiberin eines Wikipedia-Mirrors von Unterlassungsansprüchen frei, weil diese “keine ihr obliegenden Prüfpflichten verletzt” habe.
Als wenn das allein noch nicht bemerkenswert genug gewesen wäre, lässt sich das Gericht in der Urteilsbegründung auch zur Bedeutung der Wikipedia aus. Unter anderem heißt es:
An einer Online-Enzyklopädie wie der Wikipedia besteht auch als solcher ein öffentliches Interesse. Sie ermöglicht einer Vielzahl von Menschen schnellen und aktuellen Zugriff auf Informationen und zwar auch Personen, die nicht über eine umfangreiche gedruckte Enzyklopädie verfügen.
Ich weiß noch nicht, ob die Formulierung tatsächlich vom Gericht stammt oder ob sie ihren Ursprung nicht vielleicht doch in einem Schriftsatz meiner Lieblingsanwälte (die zufälligerweise auch in diesem Verfahren den Beklagten vertreten haben) hat. Aber immerhin hat sich das Gericht diese schöne Erklärung damit definitiv zu Eigen gemacht.
Weitere Infos zum Rechtsstreit gibt es bei golem.de und auf heise.de.
Jul 4, 2007
Godwins Gesetz
As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.
gilt ab sofort in ganz besonderem Maße für Diskussionen in der Wikipedia. Denn kein Geringerer als dessen Namensgeber Mike Godwin ist seit Dienstag der Justiziar der Wikimedia Foundation.
Außerdem hat sich die Wikimedia Foundation mit Sue Gardner sowas wie eine Geschäftsführerin ins Haus geholt. Zuvor hat sie die Website des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Kanada verantwortet.
Jun 27, 2007
Die Geschichte um Atze Schröder, seinen wirklichen Namen und das merkwürdige Verhalten seiner Anwälte ist ausgestanden. Gestern habe ich den Beschluss der Pressekammer des LG Hamburg erhalten, indem es heißt:
Der Kläger hat die Kosten des Rechtsstreites zu tragen.
Soweit nicht überraschend, zumindest hatte ich fest mit diesem Ergebnis gerechnet. Dennoch ist der unter dem Vorsitz von Herrn Buske gefällte Beschluss äußerst bemerkenswert. Denn die Pressekammer lässt sich zu meiner freudigen Überraschung auch ausführlich zum eigentlichen Sachverhalt aus:
Der Kläger hat aber nicht dargelegt, dass dieses [sein] Interesse das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit überwiegt, zu wissen welche Person sich hinter der vom Kläger verkörperten Figur verbirgt. Im Rahmen der hierbei vorzunehmenden Abwägung ist zu beachten, dass sich der Kläger aus eigenem Antrieb mit seinen Darbietungen in der Rolle der Figur “Atze Schröder” an eine breite Öffentlichkeit wendet. Hierbei stellt er eine Figur dar, die als Prototyp einer bestimmten sozialen Schicht in erheblichem Maße satirisch überspitzt ist, wodurch der Kläger zu verschiedenen gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Themen in humorvoller Weise Stellung nimmt. Damit indes hat er selbst ein erhebliches Interesse an seiner realen Person geweckt. Umstände, aus denen heraus sein Interesse an der Wahrung seiner Anonymität für den Bereich seines Privatlebens dieses berechtigte Interesse der Öffentlichkeit in einem solchen Maße überwiegen könnte, dass nicht einmal sein bürgerlicher Name öffentlich gemacht werden dürfte, hat der Kläger nicht vorgebracht. [Hervorhebung von mir]
Das entschädigt doch irgendwie für den ganzen Ärger. Und ab sofort möchte ich keine pauschale Kritik mehr an der Pressekammer des LG Hamburg lesen, ist das klar?
Achso, und bevor Ihr jetzt wieder alle mit dem realen Namen um Euch werft: Bedenkt bitte, dass mit diesem Beschluss noch keine Rechtssicherheit in Bezug auf die Zulässigkeit der Namensnennung besteht. Denn es gibt da ja auch noch ein Verfahren in Berlin gegen einen Zeitungsverlag. Überlegt Euch also bitte gründlich, ob und in welchem Kontext Ihr den Namen nennen wollt.
Ein dickes Dankeschön nochmal an meine Lieblingsanwälte: Klasse Arbeit!
May 24, 2007
Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Das hier ist eigentlich kein juristisches Blog, sondern eines, das sich mit freiem Wissen und Wikis auseinandersetzen will. Ich hoffe, dass ich dazu in Kürze mal wieder Gelegenheit erhalte. Bis dahin dürft Ihr Euch an einer weiteren juristischen Auseinandersetzung erfreuen.
Denn der Verein Wikimedia Deutschland hat mal wieder einen Prozess gewonnen. Diesmal störte sich die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) – bzw. die irgendwie hinter ihr stehende berolino.pr, mittlerweile zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH umfirmiert – an einem Beitrag auf der Diskussionsseite (oder vielmehr im Archiv derselben bzw. in einer alten Version dieses Archivs).
Weitere Infos gibt es bei:
Der Streitwert lag diesmal übrigens etwas höher als bei Atze: Stolze 100.000 Euro erschien der INSM der Diskussionsbeitrag wert zu sein (ursprünglich sogar 200.000, denn hatten sie auch noch mit anderen Aussagen ein Problem). Naja, so bekommen meine Lieblingsanwälte wenigstens mal ordentlich Geld für ihre hervorragende Arbeit :)
May 11, 2007
Üblicherweise bin ich bei Fragen nach juristischen Auseinandersetzungen, in die ich direkt oder indirekt verwickelt sein könnte, ja eher zugeknöpft. Erst kürzlich habe ich mich auf eine öffentlich gestellte Frage zur Causa “Atze Schröder” sehr gewunden, um nicht zu viel oder zu wenig zu sagen. Aber irgendwann ist dann auch bei mir mal gut mit der höflichen Zurückhaltung. Und jetzt gerade reicht es mir. Aber von vorne… [Read more]
May 10, 2007
Sollte es mir eigentlich zu denken geben, wenn ich in einem Artikel zum Thema Forenrecht als Experte zitiert werde und ich dann auch noch die beiden anderen Experten persönlich kenne? Naja, immerhin befinde ich mich da in sehr guter Gesellschaft.