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Über Wikis und andere Erscheinungen auf dem langen Weg zur Weltherrschaft

Endlich meine Generation-Irgendwas gefunden

Am vergangenen Samstag bin ich beim Einkaufen in die Wanderausstellung “Das Jahrhundert des Computers” gestolpert.

Nicht fehlen durfte dabei ein C64. Auf einem solchen Gerät habe ich mein erstes Computerprogramm geschrieben, das nicht als Übungsaufgabe gedacht war. Leicht benebelt von der Erinnerung an sechs Wochen Sommerferien mit dem Basic-Handbuch musste ich auch noch kurz innehalten an einem PET 2001 und einem IBM-PC.

Auf diesen Geräten durfte ich später (sic!) in der Schule lernen. Zu allen drei Geräten habe ich eine besondere Bindung (etwas, das meinem Amiga 500, meinem 386SX-25, meinem Power Mac G3 oder den ihnen folgenden, namenlosen Kisten nicht vergönnt war), die stärkste aber zum C64.

Diese beim Wochenend-Einkauf aufgefrischte Erinnerung wird wohl noch ein wenig anhalten. Denn heute ruft Christian Stöcker bei SpOn die “Generation C64” aus. Mit der Generation Golf mochte ich mich nie so recht anfreunden, aber mit einer “Generation C64″ kann ich mich prima identifizieren - auch weil sie eine politische zu sein scheint.

Der Artikel ist übrigens völlig unabhängig vom Lebensalter lesenswert, und um Computer geht es dabei auch nur am Rande: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,628017,00.html

Beim PolitCamp infiziert

Muss mich am Wochenende auf dem PolitCamp wohl irgendwie infiziert haben.

  1. Habe heute als einer der ersten 100 Mitzeichner meinen Otto unter die Petition Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten gesetzt. Hat ganz schön Überwindung gekostet, diese “gammelige Software” zu bedienen.
  2. Eben habe ich mich auch noch der Aktion Politiker-Stopp - Jetzt wird zurück zensiert angeschlossen und diese Seite vor den “Internet-Ausdruckern” versteckt. Ätsch!
  3. Jetzt blogge ich darüber. Habe ich eine halbe Ewigkeit nicht mehr gemacht.
  4. Und gleich werde ich auch noch microbloggen.

Kinder, Kinder, so politisch aktiv war ich ja seit Jahren nicht mehr.

Vandalismus - in Farbe und bunt

Nein, es geht nicht um Vandalismus in der Wikipedia (das passiert so oft, dass es eh schon niemanden mehr wirklich interessiert). Diesmal hat es das tschechische Frühstücksfernsehen erwischt: Atombombenexplosion im Riesengebirge. mehr bei heise

Der letzte macht das Licht aus

“Das Mitmach-Web ist eine feine Sache, aber es hat auch seine Schattenseiten”, schreibt Spiegel Online heute in eigener Sache. Richtig: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Von dieser Binsenweisheit offenbar völlig überrascht, knipst SpOn heute hektisch das Licht bei der erst gestern gestarteten Kooperation mit last.fm wieder aus. Der “Jugendschutz-Filter” des Musikdienstes sei “noch nicht dicht genug”.

Das führende user generated Fotoalbum ist offenbar schon etwas weiter mit seinem Filtr (sic!, scnr). Um ja kein Risiko einzugehen, werden alle Bildchen, die von Usern und Mitarbeitern nicht als hundertprozentig schattenfrei eingestuft wurden, ausgeblendet (zumindest für Benutzer aus Singapur, Hongkong, Korea oder Deutschland).

Weiter so! Und den Hauptschalter nicht vergessen, damit garantiert nichts mehr Schatten werfen kann.

Die Web-2.0-Blase und was Investoren von der Wikipedia lernen können

Nach Ansicht der Business Angels FrankfurtRheinMain (BA-FRM) läuft die “Very New Economy” Gefahr, zu überhitzen und letztlich zu verglühen. Mit ein paar Empfehlungen an Investoren wollen sie die schlimmsten Fehler vermeiden helfen. Sicher kein Fehler.

Dass aber ausgerechnet die Wikipedia als Referenz für die Langlebigkeit der “Web-2.0-Branche” herhalten muss, verwundert dann doch etwas. Pressetext zitiert Frank Müller, geschäftsführendes Mitglied des Vorstands der BA-FRM:

“Die Gefahr einer Überhitzung der Web-2.0-Branche besteht durchaus, wenngleich dieser ,Markt’ viele Facetten hat und sich contentgebundene Community-Projekte wie Wikipedia langfristig gut entwickeln werden”

Die Wikipedia hat sich und wird sich vor allem deshalb langfristig gut entwickeln, weil sie sich bewusst den üblichen Mechanismen dieses “Marktes” entzieht und von einer gemeinnützigen Organisation betrieben wird. Auch wenn “der Investor stets den Grundcharakter der Seiten- oder Portalsphilosophie in behutsamer Abstimmung auf die Nutzerinteressen” beibehält, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass damit ein Community-Projekt entstehen kann, das auch nur ansatzweise mit der Wikipedia vergleichbar wäre. Wikipedia ist eben weit mehr als eine hippe Plattform mit user generated content. Es ist eine user driven website, die von einer user driven organization betrieben wird. Investoren können von der Wikipedia wohl vor allem eines lernen: Es gibt Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann…

P.S.: Geld nehmen wir natürlich trotzdem gerne (wenn damit unsere Unabhängigkeit nicht gefährdet wird): http://wikimedia.de/spenden/

Was haben ein Camping-Trip und eine Enzyklopädie gemeinsam?

Na klar, beides lässt sich wunderbar mit einem Wiki organisieren:

These three buttons - edit, save and link - make it possible to organize a great camping trip or create the worlds biggest encyclopedia.

meint Lee LeFeever in seiner wunderbar anschaulichen Erklärung des Wiki-Prinzips “Wikis in Plain English”: [Read more]

Wikipedianer treffen sich am Samstag in Frankfurt

Am Samstag ist endlich mal wieder ein Wikipedianer-Treffen in Frankfurt (am Main). Wer auch immer Lust hat, bei Bier, Apfelwein oder Wasser über die Wikipedia, Freies Wissen, Wikis, Wikimania oder die Erringung der Weltherrschaft zu diskutieren, ist herzlich eingeladen, ab 18 Uhr ins kp21 in der Brotfabrik zu kommen. Den Online-Junkies sei übrigens mitgeteilt, dass es dort zwar WLAN gibt, ein RL-Treffen aber eigentlich viel zu schade ist, um dann doch nur via IRC miteinander zu kommunizieren ;-)

Da beim letzten Mal einige meinten, sie wären fast nicht gekommen, weil sie ja nur ganz selten in der Wikipedia aktiv sind: Ihr könnt auch gerne kommen, wenn Ihr die Wikipedia nur passiv nutzt oder einfach mal diese durchgeknallten Typen kennenlernen möchtet, die in ihrer Freizeit das wahnsinnig anmutende Vorhaben verfolgen, eine Enzyklopädie zu erstellen.

Übrigens dürfen wir uns auch diesmal wieder über besondere Gäste freuen: elian kommt aus München und notafish aus Paris. Na dann mal bis Samstag.

Neues Spielzeug für Enzyklopädisten: Wikiweise

Dass uns Uli schon länger das eine oder andere Problem mit der real existierenden Wikipedia hat, dürfte zumindest einigermaßen aktiven Benutzern nicht verborgen geblieben sein. Nachdem er monatelang an seinem Fork gearbeitet hat – und in dieser Zeit keine Gelegenheit ausließ, den weiterhin aktiven Wikipedianern mit der Vorhersage des nahenden Untergangs der Wikipedia die Aussichtslosigkeit ihres Handelns einzureden – darf man sich nun endlich davon überzeugen, dass es sich nicht um Vaporware handelt:

Wikiweise heißt das Kind. Den Namen finde ich nicht wirklich berauschend, zumal er mir auch im Widerspruch zu Ulis Haltung zu stehen scheint. War er es nicht, der stets betonte, dass das Wiki nur ein Werkzeug sei, um das Ziel einer freien Enzyklopädie zu erreichen und dass man im Zweifel auch bereit sein müsse, sich vom Wiki-Prinzip zu trennen, um das Ziel zu erreichen? Anhänger der reinen Wiki-Lehre würden sich vermutlich ohnehin weigern, ein Projekt mit Registrierungs- und Realnamen-Pflicht überhaupt als Wiki zu bezeichnen. Aber das nur am Rande.

Erik Möller, wie Uli ein langjähriger Wikipedia-Aktivist, bietet in seinem Telepolis-Artikel Der Stein der Wikis einige Hintergrundinfos und eine treffende Einordnung des Forks:

“Tatsächlich sind Wikiweise wohl größere Erfolgsaussichten beschieden als den meisten anderen Forks - schon allein aufgrund der Leidenschaft am Schreiben, die Ulrich Fuchs bei Wikipedia unter Beweis gestellt hat, und dem nicht unerheblichen Respekt in der Gemeinde, den er sich, trotz häufiger Konflikte, so erworben hat.”

Die Chancen wären wohl noch größer, wenn Ulrich durch seine insbesondere in den letzten Monaten an den Tag gelegte unnachahmlich unversöhnliche Art nicht einige potentielle Mitstreiter vergrault hätte. Andererseits: wenn Uli nicht so ein Sturkopf wäre, gäbe es diesen Fork vermutlich garnicht.

“Ein Schaden entsteht Wikipedia durch das neue Projekt nur bedingt, da Inhalte dank der freien Lizenz beliebig rückkopiert werden können.”

Man könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen: Vielleicht bringt dieser Fork ja auch neue Erkenntnisse und motiviert einige Wikipedianer – vor allem solche, die es bleiben wollen – dazu, mal einige eingefahrene Arbeits- und Denkweisen zu hinterfragen.

In diesem Sinne wünsche ich Uli und den anderen Wikiweisen viel Spaß mit Eurem neuen Spielzeug (ist nicht bös’ gemeint, aber ich konnte mir dieses Zitat von Ulis Benutzerseite in der Wikipedia einfach nicht verkneifen) – vielleicht mache ich demnächst auch mal einen Abstecher.

Rauchzeichen aus Redmond: Encarta mutiert zur Feedbackpedia

Ist Microsoft tatsächlich lernfähig? Zumindest auf den ersten Blick könnte man die Rauchzeichen im Encarta-Blog so deuten. Man höre und staune:

All of our regular encyclopedia articles, like the Lichen article, now have links that will load the article in our Article Editor. We’ve also added a comment box to the bottom of every article so you can still tell us what you think if you don’t want to make an edit.

Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Auch der Häuptling verkündete dort kürzlich einige Phrasen, die man schon anderswo gelesen hat, zum Beispiel die Überschrift Share Your Knowledge.

Ist das ein nennenswerter Schritt auf dem langen Weg zur Weltherrschaft der Wikis, von der im Titel dieses Blogs die Rede ist? Wir werden sehen. Mit einem Wiki hat das ganze bisher jedenfalls nur sehr oberflächlich zu tun (Was wohl Ward Cunningham, bei Microsoft in Lohn und Brot stehender Erfinder des Wiki-Prinzips, zu dieser Feedbackpedia sagt? Im August werde ich es hoffentlich erfahren) und mit freien Inhalten natürlich noch weniger:

By sharing your knowledge with us, you will help us keep Encarta current, correct, and relevant.

Ehrlich sind sie ja. Vielleicht gelingt es ihnen sogar, ein paar ihrer zahlenden Leser auch noch zu unbezahlten Hilfskräften zu machen. Ob man aber so eine Community aufbauen und dauerhaft motivieren kann? Niemals! (Andernfalls gebe ich den durch die Wikipedia zurückgewonnenen Glauben an die Menschheit doch wieder auf.)

Have you ever wondered what it would be like to be an encyclopedia editor?

Herr Alt, vielleicht ist es Ihnen ja wirklich entgangen aber tausende Menschen machen das bereits seit Jahren. Und es macht richtig Spaß – zumindest solange man sich sicher sein kann, dass die Leistung der Allgemeinheit zugute kommt.

Wikipedia jetzt auch zum Kauen

Was tun, wenn vor lauter Wissenslücken mal wieder der Schädel brummt? Acetylsalicylsäure? Paracetamol? Bitte nicht! Dr. Sans, der Arzt dem die Wikipedianer vertrauen, empfiehlt als Patentrezept Wissen Direkt:

Wissen direkt

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Enzyklopädisten - oder Sie werfen sich einfach mal eine ein.

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