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Das Leben ist ein Wiki

Mehr als nur Schall und Rauch

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Nicht nur die Wikipedia selbst erfreut sich zunehmender Beliebtheit, auch ihr Name wird offenbar immer begehrter. Zu verlockend scheint es, etwas vom Glanz dieses Projektes auf das eigene zu übertragen. So liest man beispielsweise beim Handelsblatt (und mit großer Wahrscheinlichkeit auch in der dieser Meldung zugrundeliegenden Pressemitteilung der Pagedesign GmbH siehe Kommentare) zum Launch der Website woerterbuch.info:

„In Kürze sollen Anwender, ähnlich wie bei dem Online-Lexikon Wikipedia, eigene Wortvorschläge sowie Übersetzungen in das System einbringen können, die nach positiver Prüfung durch ein Redaktionsteam in die Datenbank aufgenommen werden.“

Wo bitte ist bei dieser zweifelhaften Mischung aus dict.cc und Google die Gemeinsamkeit mit der Wikipedia? Man darf gespannt sein, wann das in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Projekt Wikipedia erstmals zur Erklärung eines schnöden Feedback-Formulars herhalten muss.

Nicht nur kommerzielle Anbieter, auch Entwickler Freier Software haben erkannt, wie werbewirksam der Name mittlerweile ist. So taufte der Wikipedianer Bananeweizen seine äußerst nützliche Erweiterung für Firefox „Wikipedia“ – obwohl sie doch eigentlich für alle Projekte geeignet ist, die MediaWiki einsetzen.

„Müssen Namen logisch sein?“ entgegnet der Entwickler auf eine entsprechende Nachfrage. Nein, das müssen sie sicher nicht, zumindest solange es die eigenen sind. Andernfalls könnte das nämlich durchaus problematisch werden. Denn was im Bereich kommerziell genutzter Marken selbstverständlich erscheint, gilt auch in der Welt Freien Wissens und Freier Software.

Genau wie die Nutzung der Wikipedia-Inhalte nur unter Einhaltung der Lizenzbedingungen gestattet ist, so ist auch die Verwendung des Namens nicht ohne weiteres erlaubt. Hier ist die Lage sogar noch komplizierter als bei den Inhalten, da die Wikimedia Foundation noch keine Lizenzbestimmungen für ihre Marken formuliert hat. Im Zweifel wird man also fragen müssen, ob die jeweilige Verwendung gestattet ist. Andere Projekte sind da schon etwas weiter.

Autor: Arne Klempert

Domestizierter Nerd. Wikimedia Veteran. Digital Strategist.

2 Kommentare

  1. Oops, bei näherer Durchsicht scheint es sich tatsächlich ausschließlich um Treffer auf Websites der Verlagsgruppe Handelsblatt zu handeln: handelsblatt.com, wiwo.de, e-business.de, dmeuro.com, news-frankfurt.com, doq.de. Dann haben die es wohl verbockt.

    Danke für den Hinweis.

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